Eichenprozessionsspinner

Der Eichenprozessionsspinner kommt an Stiel- und Traubeneiche, aber auch vereinzelt an Roteiche und Hainbuche vor. Zur Massen-vermehrung kommt es hauptsächlich in trockenen und sehr warmen Jahren. Der EPS ist sehr wärmeliebend, sodass wir ihn hauptsächlich an freistehenden Bäumen, Straßenbäumen und Randbäumen in Bereichen mit hoher Wärmereflektion, wie bituminöse Belege aber auch ländlichen Flächen wie Getreidefelder, die auch noch in den Abendstunden Wärme abgeben, finden.
Der unscheinbare Falter, gleicht einer Motte, von ca 30mm Größe, beginnt im Zeitraum August / September mit dem Hochzeitsflug. In dieser Zeit legt er 0,5mm große Eier in einem Verbund von je 150-200 Stück an Zweigen (Feinastbereich) ausschließlich im oberen Kronenbereich der Eichen ab. Anschließend werden diese Gelege durch ein graugrünes Sekret getarnt. Diese Eigelege 0,5 x 3,0 cm findet man in der Regel an Astgabeln. Bereits im Herbst entwickeln sich kleine Embryonen (Jungraupen), die aber noch in der Eihülle überwintern.

eichenspinnerprozession

Um eine Einschätzung der Populationsentwicklung zu bekommen ist es notwendig stichprobenartig Kontrollen vorzunehmen, bei denen Eigelege in den oberen Bereichen der Eichenkronen zu suchen sind. Die Gelege findet man an dünnen Zweige von 1-2 cm Stärke. Die gefundenen Gelege werden markiert und der Standort katalogisiert. Schon wenige gefundene Gelege weisen auf eine erhöhte Populationsdichte hin.

Sofortmaßnahmen bei Kontakt
Bei allen Arbeiten , die zur Beseitigung von Eichen-prozessionsspinnerraupen bzw. Haaren durchgeführt werden, kommt es unwiderruflich zu Kontakten mit dem mikrofeinem Haarstaub. Während der Arbeitspausen, beim Abnehmen von Schutzbrillen und Atemschutz können Haare die menschliche Haut berühren. Kurz nach dem Kontakt werden die Körperteile warm bis heiß, errötet und es bilden sich Quaddeln. Ein Besuch beim Facharzt und entsprechender Kortisonbehandlung läßt den ernomen Juckreiz bereits nach 12 Stunden abklingen. (Ohne Behandlung hält der Juckreiz bis zu 14 Tage an).Betroffene Kleidung ist in mindestens 60° C heißem Wasser zu reinigen

Bei der Bekämpfung handelt es sich in Hessen nicht um eine Pflanzenschutzmaßnahme, sondern um eine Gefahrenabwehr gegenüber Mensch und Tier. Zuständig sind auf öffentlichen Flächen die Städten und Gemeinden, auf Privatgrund-stücken der Eigentümer. In Bereichen wie Schulen, Kindergärten, Tagesstätten, Schwimmbäder, Freizeitanlagen, Zeltplätze, Krankenhäuser, Kliniken usw. also auf Flächen mit viel Publikumsverkehr sollte der EPS zu 100% bekämpft werden. Auf diesen Flächen können Kontakte durch herumstochern in Gespinsten, Flug von Gifthaaren bei  Wind, oder Kontakt mit Gifthaaren auf Rasenflächen in Schwimmbädern und Freizeit-anlagen erfolgen.

Als Mittel zur Präventiven Bekämpfung wird in erster Linie ein Bacillus thuringiensis-Präparat, Dipel ES, eingesetzt. Das Mittel ist rein biologisch und absolut ungiftig. Es muss von den Raupen gefressen werden und wirkt auf den Darmtrakt der Raupen, so das diese keine Nahrung mehr aufnehmen können. Die Raupe stirbt nach kurze Zeit ab. Der Bacillus ist bei einer Temperatur von 15° C ca. 3-4 Tage aktiv. Fällt die Temperatur unter 15° C stirbt auch der Bacillus ab. Dieser Bacillus sollte 12-15 Tage nach dem ersten Schlupftermin gespritzt werden, um möglichst alle geschlüpften Raupen zu erfassen.

Biologische Mittel lassen sich hervorragend mit Spritz- und Nebelgeräten von Hubarbeits-bühnen ausbringen. Hierbei wird in erster Linie der Kronenmantel erfasst. (Hier schlüpfen die Raupen und fressen an jungen Eichenblättern). Es werden fast nur Eichen-prozessionsspinnerlarven, Eichenwickler und Schwamm-spinner geschädigt / bekämpft.

Das Abbrennen von Gespinsten und Nestern ist die bewährteste und kostengünstigste Methode, wenn nicht bereits im Vorfeld Spritzungen erfolgt sind oder in eine massive Zuwanderung aus nicht behandelten Bereich erfolgt. Hierbei werden mit einem Gasbrenner die Nester / Gespinnste von den Baumstämmen gelöst, indem man diese abflammt. Die eigentlichen Nester werden eingesammelt und verbrannt oder einer Müllverbrennungsanlage zugeführt. Genaue Angaben wie viele Bäume pro Tag behandelt werden können, können nicht gemacht werden da dies von zahlreichen Faktoren abhängig ist.

Beim Abbrennen und Absaugen sind unbedingt Vollschutzanzüge mit Augen- und Atemschutz zutragen. Einfache einlagige Anzüge, wie sie z.B. in Spritzkabinen verwendet werden, sind nicht geeignet, da sie vom mikrofeinem Haarstaub durchdrungen werden und so keinen ausreichenden Schutz gewährleisten.

Das Absaugen erfolgt mit einem Unterdruckbehälter der mit Wasser gefüllt ist. Abgesaugte Nester werden dann in das Wasser gersaugt und so unschädlich gemacht. Industriesauger sind hierfür nicht geeignet. Aufgrund der langen Saugschläuche sind die Geräte sehr unflexibel. Die Kosten für das Absaugen liegen um ca. 50% über den Kosten des Abbrennens.

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